Geschichte & Generationen

Die Geschichte der Familie Riedel ist ebenso lebendig wie die Geschichte Europas und darüber hinaus untrennbar mit ihr verbunden.

1. Generation

JOHANN CHRISTOPH RIEDEL


Der erste Riedel, der mit hochwertigen Glaswaren handelte, war Johann Christoph (geb. 1673). Er lebte in Pavlovice, das zum Herrensitz Neuschloss im Nordwesten Böhmens gehörte und unweit von Haida und Steinschönau lag. Beide Städtchen waren während des frühen 18. Jahrhunderts Hochburgen des internationalen Handels mit böhmischem Kristall. Johann Christoph unternahm zahlreiche Handelsreisen durch ganz Europa. Seine Einnahmen rechtfertigten diese langen, anstrengenden und gefährlichen Reisen. Doch 1723 wurde er ermordet und hinterließ seine Frau und drei Söhne.

2. Generation

JOHANN CARL RIEDEL


Johann Carl Riedel, 2. Generation (1701-1781), lebte in Falkenau nahe Haida. Er baute sich dort sein eigenes Haus und arbeitete als Glasmaler. 1739 wurde er zum Vogt der Stadt ernannt. Im Jahr 1723 heiratete er Anna Elizabeth, die einer reichen Glasfamilie entstammte. Zusammen hatten sie 11 Kinder, von denen nur zwei das Erwachsenenalter erreichten. 1753 zog Johann Carl nach Antoniwald im Isergebirge und sein ältester Sohn Johann Leopold übernahm zwischen 1766 und 1769 die Glashütte in Nová Louka (Neuwiese).

3. Generation

JOHANN LEOPOLD RIEDEL


Johann Leopold Riedel, 3. Generation (1726-1800) legte den Grundstein für das Glasimperium der Riedels in Nordböhmen. Der gelernte Glasvergolder und -maler führte ab 1746 die Glashütte seines Verwandten Johann Josef Kittel in Falkenau. 1756 wurde er dann Leiter der Glashütte von Graf Desfour, der „Zenknerhütte“ in Antoniwald tief im Isergebirge. Johann Leopold kam während des Siebenjährigen Kriegs (1756-1763) zu Reichtum. In diesem weltumspannenden Krieg bekämpften sich unter anderem Österreich und Preußen wegen territorialer Interessen in Böhmen und Schlesien. Während des Wiederaufbaus nach dem Krieg war die Nachfrage nach Fensterglas sehr hoch und Johann Leopold war der erste, der im Isergebirge Fensterscheiben herstellte. 1775 baute er die erste Glashütte der Familie in Christianthal und erwarb 1782 die Glashütte in Nová Louka (Neuwiese). Zu dieser Zeit stellte Riedel in erster Linie Produkte aus Hohlglas her.

4. Generation

ANTON LEOPOLD RIEDEL


Anton Leopold Riedel (1761-1821) war der älteste Sohn von Johann Leopold und der erste Riedel-Spross, der in Antoniwald im Isergebirge geboren wurde. Für seinen Vater leitete er die Glashütte in Nová Louka (Neuwiese), die er dann 1795 übernahm. Anton Leopold stellte unter anderem Kristall, Hohlglas, farbiges Glas, Parfumflakons und Lüsterteile her. Er war auch einer der Ersten, der Bijouterie aus Glas anfertigte. 1809 gründete er in Mistrovice nahe Haida ein Glasveredelungswerk, spezialisiert auf das Schneiden, Gravieren und Bemalen von Hohlglas. Fünf Jahre später pachtete er die Glashütte von Graf Desfours in Antoniwald.

5. Generation

FRANZ XAVER RIEDEL


Franz Xaver Riedel, 5. Generation (1786-1844), war in seinen jungen Jahren ein berühmter Graveur. Seine Kunstwerke werden auch heute noch auf Auktionen gehandelt. Von 1814 bis 1821 leitete er die Glashütte seines Vaters in Nová Louka (Neuwiese). Danach war er Pächter der Zenknerhütte in Antoniwald. 1829 gründete er dann seine eigene Glashütte in Wilhelmshöhe. Er verschrieb sich der Produktion von Hohlglas, vor allem Röhrchen und Stäbchen für Bijouterie und Parfumflakons. Seine erste Frau Judith stammte aus der reichen Glashändlerfamilie Vogel aus Steinschönau. Franz und sein Neffe Josef erfanden neue Glasfarben, indem sie Uran für fluoreszierendes Gelb und Grün nutzten – „Annagelb und Annagrün“, abgeleitet vom Namen der Tochter von Franz.

6. Generation

JOSEPH RIEDEL, DER ÄLTERE


Im Alter von 14 Jahren trat Josef Riedel senior (6. Generation, 1816-1894) als Lehrling in das Unternehmen seines Onkels Franz Xaver ein, dessen Tochter er später zur Frau nahm. Während der Industriellen Revolution geboren zu sein, wurde für Josef zu einem großen Vorteil. 1858 besaß er bereits acht Glashütten, zwei große Textilfabriken und Kohlebergwerke. In seinen Glashütten wurden hauptsächlich Glasschmuck, Perlen und Lüsterteile hergestellt, ab 1873 auch hochwertige Produkte aus Hohlglas. Im selben Jahr erhielt Josef den „Grand Prix“ bei der Weltausstellung in Wien. Für seine Errungenschaften wurde ihm von Kaiser Franz Josef I das „Ritterkreuz“ verliehen, der Papst zeichnete ihn mit dem Sylvester-Orden aus und die Städte Franzensbad und Wiesenthal ernannten ihn zu ihrem Ehrenbürger. Josef war allgemein bekannt als der „Glaskönig des Isergebirges“. 1895 ließen Josefs Söhne das erste Riedel-Logo registrieren.

7. Generation

JOSEF RIEDEL, DER JÜNGERE


Josef Riedel junior (7. Generation, 1862-1924) war der einzige Sohn aus Josef Riedel seniors zweiter Ehe und sollte das Unternehmen 10 Jahre lang (1914-1924) führen. Er war ein hervorragender Chemiker und Ingenieur und entwickelte mehrere hundert Glasfarben. Darüber hinaus erfand er neue Maschinen für die Massenproduktion von Stickperlen, wie sie für Schmuck und Stoffe verwendet werden. Josef junior stellte unter anderem Armreifen, Pressglas und technisch hochwertiges Glas für Außenleuchten her. 1894 baute er in Tiefenbach eine Villa für seine Frau Paula, die nach wie vor zu den schönsten historischen Bauwerken im Isergebirge zählt. 1906 wurde auch Josef junior von Kaiser Franz Josef I mit dem Orden der Eisernen Krone ausgezeichnet.

8. Generation

WALTER RIEDEL


Walter Riedel (8. Generation, 1895-1974) war der älteste Sohn von Josef junior. Walters Schicksal wurde in großem Maße von den beiden Weltkriegen bestimmt. Wegen der dramatischen Umstände in Europa war er allein vier Mal gezwungen, seine Staatsbürgerschaft zu ändern. Als Walter 1918 in das Familienunternehmen einstieg, wurde Böhmen Teil der Tschechoslowakei und Walter – wie viele andere Deutschsprachige im Sudetenland – zum tschechoslowakischen Staatsbürger. In dieser Zeit wuchs Riedel zu einem weltweit führenden Hersteller von Glasschmuck und Kristall, Stickperlen, Lampen, technischem Glas und hochwertigen Glaswaren heran. Walter wurde sowohl bei der Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes in Paris (1925) als auch bei der Weltausstellung in Paris (1937) mit dem „Grand Prix“ ausgezeichnet.

Walter erbte das Talent seines Vaters und trieb viele technische Neuerungen in der Glasindustrie voran. Während des Krieges waren die Glashütten unter der Kontrolle der Nazis, die eine Umstellung der Produktion von Konsumgütern zu strategisch wichtigem Kriegsmaterial verordneten. Als russische Truppen 1945 Berlin einnahmen, entdeckten sie eine intakte Bildröhre (Teil eines Radars zur Luftraumüberwachung) und verlangten, dass man ihnen den Wissenschaftler ausliefere, der das Objekt entwickelt hatte. Während der Stalinzeit in Russland interniert, wurde Walter gezwungen, einen Fünfjahresvertrag als wissenschaftliche Kraft zu unterzeichnen; auch nach Auslaufen diese Vertrages wurde er noch weitere 5 Jahre in Russland als Kriegsgefangener festgehalten.

Bei Kriegsende 1945 wurden die Riedels vom tschechoslowakischen Staat komplett enteignet und verloren ihr Wohnhaus und ihre Fabriken. Erst 1955 wurde Walter Riedel aus Kriegsgefangenschaft nach Österreich entlassen. Die Familie Swarovski, enge Freunde von den Riedels, gaben Walter und seinem Sohn Claus Josef die Chance auf einen Neustart in Kufstein, wo die Riedels mit ihrer Hilfe eine Glashütte übernehmen und 1956 mit der Herstellung mundgeblasener Glaswaren beginnen konnten.

9. Generation

CLAUS J. RIEDEL


Claus Josef Riedel (1925-2004), 9.Generation, war ein Visionär. Mit einem großen künstlerischen Talent und einem Gefühl für Formen und Proportionen ausgezeichne, hat er mit der Definition des funktionalen Weinglases eine bahnbrechende Arbeit geleistet. Claus Riedel war der Erste in der Glasgeschichte, welcher das Zusammenspiel von Form, Größe und Mundranddurchmessers eines Glases für den Genuss des Weines bestimmt hat. Seine Gläser sind langstielig, glatt, undekoriert und dünn geblasen. In den 50er und 60er Jahren wurden sie mit zahlreichen Design-Auszeichnungen geehrt. 1973 präsentierte Claus Riedel die erste Gourmetglasserie der Welt, "Sommeliers".

10. Generation

GEORG J. RIEDEL

„Ich lebe lieber im Hier und Jetzt anstatt zurückzublicken“ – Die Philosophie von Georg J. Riedel, 10. Generation, ist persönlich wie professionell die gleiche. Der traditionsreiche europäische Glashersteller mit 1.200 Mitarbeitern stellt pro Jahr etwa 50 Millionen Glasprodukte her. Durch eigene Vertriebsunternehmen in den USA, Kanada, Deutschland, Großbritannien, Japan, Australien und seit Neuestem auch in China, ist das Familienunternehmen in 125 Ländern auf dem Markt präsent. Der Gesamtumsatz liegt bei 230 Millionen Euro. „Unsere Verpflichtung zu Qualität erfordert fortlaufende Innovation. Deshalb investieren wir regelmäßig in die Modernisierung unserer Produktionsanlagen und schaffen eine bedeutende Zahl neuer Arbeitsplätze in verschiedenen Märkten“, erklärt Riedel. Im Sinne einer seit langem gepflegten Tradition des Vordenkens wird das Unternehmen mit dieser Philosophie seit Generationen von der Familie Riedel geführt – von Georg Riedel genauso wie von seinem Sohn Maximilian Riedel, der im Juli 2013 seine Nachfolge als Geschäftsfüherer antreten wird.

Dieser innovative Ansatz begann 1956, als die angeschlagene Tiroler Glashütte zu einem Unternehmen von Weltniveau wurde. Der Erfolg gründete auf einem fantastischen Produkt, das zuerst von Claus J. Riedel (9. Generation) erdacht wurde, dessen Kreativität und Gespür für Form zur Kreation eines besonders dünnen Glases führten, das Wein die Entwicklung seines wahren Geschmacks ermöglicht. In enger Zusammenarbeit mit seinem Vater und anschließend mit einem Expertenteam, Winzern und Mitarbeitern war Georg Riedel Wegbereiter der Entwicklung weinfreundlicher und rebsortenspezifischer Glaskollektionen. Durch verschiedene Innovationen der Produktionstechnologie konnte Riedel das Sortiment der typischen Riedel Sommeliergläser erweitern. Nach seiner Ernennung zum Geschäftsführer führte er das Unternehmen mit seinen operativen Fachkenntnissen und seinen ökonomischen Fähigkeiten zu großen Erfolgen. 1986 brachte er die herausragende Kristallglasserie Vinum auf den Markt, die erste maschinell gefertigte Reihe feiner rebsortenspezifischer Kristallgläser. Die Vinum-Serie half dem Unternehmen dank ihres erschwinglichen Preises dabei, ein neues Publikum zu erschließen. Dies war der Grundstein für den weltweiten Erfolg und das internationale Renommee der Marke. Zu seinem Beitrag zum Unternehmenswachstum sagte Riedel: „Wir, die Riedels, verfügen über das nötige Glück, aber auch über Intelligenz, Fleiß und Leidenschaft.“

Georg Riedel hat seinen vollkommen neuen Ansatz zu Weingläsern weltweit vertreten. Am wichtigsten ist die Funktion, gefolgt von Schönheit, ausgeführt mit unvergleichlicher Perfektion. Er erklärt: „Wir haben Verkostungen in der ganzen Welt durchgeführt. Wir führen pro Jahr Seminare für etwa 40.000 interessierte Teilnehmer durch, wobei wir Weine aus jeder Region verwenden. Dabei demonstrieren wir, wie das richtige Glas den Weingenuss steigert.“ Die jahrzehntelange Erfahrung mit Weinverkostungen und sein ausgeprägtes Verständnis für Design haben ihn gelehrt, wie man die verschiedenen Geschmackskomponenten eines Weins für höchsten Genuss am besten hervorbringt. Mit seiner Philosophie und beständigen Suche nach Antworten haben Riedels Liebe und Leidenschaft für Wein ihn zu einem Experten von Weltruf gemacht, der von Winzern und Sommeliers gleichermaßen respektiert wird. Weinkritiker sind sich einig, dass Riedel für jeden Weinliebhaber das perfekte Glas herstellt. Die führenden Kritiker Robert M. Parker und Michel Bettane konnten beide von der entscheidenden Bedeutung des Glases für einen Wein überzeugt werden.

2008 rühmte das Time Magazine die österreichische Glasherstellerfamilie dafür, dass sie „für Weinliebhaber in den vergangenen 50 Jahren einen größeren Beitrag zum Genuss geleistet hat als beinahe jede Winzerdynastie.“ Riedel kam 1973 als Buchhalter ins Unternehmen und übernahm 1994 die Geschäftsführung. Er reist seit mehr als 35 Jahren um die Welt und trägt seine Botschaft hinaus, entwickelt neue Märkte und sichert die ökonomische Basis des Unternehmens. Was treibt ihn an? „Die Riedels hatten nach dem 2. Weltkrieg alles verloren und mussten bei null beginnen. Meine Vorfahren machten sich an die Arbeit, hatten das Glück auf ihrer Seite, blickten nach vorne und handelten entsprechend”, erklärte er. „Daraus ziehe ich mein Pflichtbewusstsein. Ich fürchte mich vor nichts, außer davor, zu versagen. Ich darf nicht der Letzte in der Geschichte meines Unternehmens sein und, was noch wichtiger ist, ich will nicht den guten Ruf des Unternehmens aufs Spiel setzen. Der Kritiker in mir lässt mich niemals zufrieden sein – ich muss mich selbst immer weiter vorantreiben.“ Die Pläne für die nächsten Jahre? „Es ist mein Traum, Trinkgefäße für alkoholfreie Getränke zu entwickeln, die Verbrauchern bleibende Erlebnisse bescheren. Ich stelle mir Gefäße für hochwertigen Kaffee, raffinierte Tees und sogar Quellwasser vor. Die mit dem Geschmackserlebnis einhergehende Sinnesfreude legt nahe, dass Designs von Riedel auch für diese Getränke geeignet sind.“

Die herausragende Stellung der Familie Riedel in der mitteleuropäischen Geschichte – die böhmische Linie lässt sich bis ins Jahr 1673 zurückverfolgen – formt ebenfalls Riedels Persönlichkeit und sein Engagement für Kontinuität und Beharrlichkeit. „Ich begann im Alter von 30 Jahren mit dem Laufsport. Ich bin 10 Marathons gelaufen und unternehme nun regelmäßig Bergtouren“, erklärt er. „Sie stellen eine grundlegende Bereicherung meines Lebens dar. Dort finde ich die Ruhe, mich zu entspannen und Dinge zu überdenken.“ Riedel ist seit 1973 mit seiner Frau Eva verheiratet, die er während seiner Studienzeit in Wien kennenlernte. Er ist ein hingebungsvoller Vater seines Sohns Maximilian sowie seiner Tochter Laetizia und Großvater von fünf Enkelkindern. In ihnen, der zwölften Generation, sieht er die Zukunft der Glasdynastie. Georg Riedel wurde 1949 in Innsbruck in Österreich geboren. Passenderweise war dies ein besonders guter Jahrgang für Bordeaux.


CHRONIK

1973 · Eintritt in das Unternehmen, Einrichtung eines Finanzkontrollsystems
1986 · Markteinführung der Vinum-Kollektion, die zu Riedels Bestseller wird
1979-2011 · Schaffung der Tochterunternehmen in den USA, Kanada, Deutschland, Japan, Großbritannien, Australien und China
1996 · Die Zeitschrift Decanter nominiert Georg Riedel als Decanter Man of the Year
2004 · Übernahme des deutschen Glasunternehmens Nachtmann gemeinsam mit der Marke Spiegelau für Weinaccessoires, der neue gemeinsame Name lautet „Riedel Glass Works“
2006 · Ehrenauszeichnung für Verdienste für die Republik Österreich
2007 · Ehrenauszeichnung des Bundeslandes Tirol

11. Generation

MAXIMILIAN JOSEF RIEDEL


Maximilian J. Riedel, der Geschäftsführer von Riedel Glas, leitet das im österreichischen Kufstein ansässige Familienunternehmen in der 11. Generation. Die bekannteste seiner Schöpfungen ist die revolutionäre „O“-Glasserie ohne Stiel, die er 2004 entwarf und auf den Markt brachte. Maximilian Riedel erhielt viel Anerkennung und zahlreiche Auszeichnungen wie vom Museum of Modern Art, dem San Francisco MoMA, dem Corning Museum of Glass, Maison et Objet Paris sowie den Weinmagazinen Wine Spectator und Wine Enthusiast. Heute ist er neben seiner Tätigkeit als Geschäftsführer der Tiroler Glashütte auch der leitende Designer für die Dekanter des Glasherstellers, einschließlich des bei Sommeliers sehr beliebten Cornetto, des O-Dekanters, für den er einen Good Design Award bekam, der Bird-Serie (Paloma, Swan und Flamingo), die er gemeinsam mit seinem Vater Georg Riedel, Geschäftsführer in 10. Generation, entwarf, Eve (2008), dem ersten Gefäß zum „doppelten Dekantieren“, und Mamba (2011).

Er erlernte das Familienhandwerk bereits im Alter von 12 Jahren von seinem Vater, was Maximilian Riedel die nötigen Ein- und Ausblicke sowohl in die Glasbläsertechnik als auch die Geschäftsprinzipien zur Leitung eines internationalen Unternehmens einbrachte. Mit 18 Jahren entschloss er sich zu einer Karriere im Unternehmen und entschied sich gegen das traditionelle auswärtige Studium. Damit trat er in die Fußstapfen seines Vaters, der wiederum von seinem Vater, Claus J. Riedel (9. Generation), gelernt hatte.

Claus J. Riedel erkannte als Erster, dass die Form, Größe und Farbe von Gläsern den Weingenuss beeinflusst und entwickelte daraufhin 1958 die weltweit ersten „rebsortenspezifischen“ Gläser. Durch die enge Zusammenarbeit mit seiner Familie und den Glasbläsermeistern bei Riedel Glas wusste Maximilian Riedel, dass seine Zukunft in der Führung des Familienunternehmens lag: „Ich möchte nicht, dass das Unternehmen mit mir endet. Ich führe die Tradition fort.“ Die Verantwortung zu meistern, die mit der Weiterführung einer traditionellen und weltweit agierenden Luxusmarke einhergeht, war keine leichte Aufgabe.

Nach der Ausbildung im österreichischen Hauptsitz von Riedel wagte Maximilian Riedel den Schritt ins Ungewisse. So führte er die Marke in Dubai ein und ging von dort nach Paris, um sich beim französischen Riedel-Importeur Ercuis für das eigene Unternehmen weiterzubilden. Im Alter von 23 Jahren zog er in die Vereinigten Staaten und wurde zum „Vice President“ von Riedel Crystal of America. In einem ihm völlig neuen Land mit unbekanntem Geschäftsgebaren fühlte er sich zunächst trotz der Ausbildung durch seinen Vater „unvorbereitet“. Seine tiefgreifende Kenntnis der Glasbranche und sein Eifer, den amerikanischen Markt zu erobern, bewogen Maximilian Riedel dazu, aktive Schritte zum Erlernen der Regeln des amerikanischen Geschäftslebens zu unternehmen. Er stellte sich der Herausforderung, revolutionierte den Auftritt des Unternehmens und steigerte die Verkaufszahlen in weniger als fünf Jahren deutlich.

Angetrieben durch die Riedel-Philosophie „die Form folgt der Funktion“, erkannte Maximilian Riedel aufgrund seiner eigenen Erfahrungen in seinem kleinen Apartment in Hoboken (New Jersey) bald den Bedarf an ergonomischeren Weingläsern für Menschen, die wie er nur über beschränkten Wohnraum verfügen. 2004 demonstrierte er zum ersten Mal, dass auch er das Glasdesign meisterhaft beherrscht.
Maximilian Riedel entwarf die „O“-Serie, eine Reihe rebsortenspezifischer Weingläser ohne Stiel, die zur erfolgreichsten neuen Kollektion in der Geschichte von Riedel wurde und die Wahrnehmung luxuriöse Glaswaren weltweit revolutionierte. Er selbst führt die Entwicklung darauf zurück, dass er ein „Weinglas wollte, das attraktiv und stapelbar ist, und gleichzeitig weniger streng als unsere anderen Gläser. Ich entwarf das Weinglas, das ich für mich selbst benötigte.“

Im Alter von 25 Jahren wurde Maximilian Riedel Geschäftsführer (CEO) von Riedel Crystal of America. Er hat die Verkaufszahlen des Unternehmens in den USA und Kanada mehr als vervierfacht – und Nordamerika damit zum größten Exportmarkt für Riedel gemacht. Seine Innovationen und Ideen für Gegenwart und Zukunft des Unternehmens sind unübertroffen. Auf der ständigen Suche nach intelligenteren, effizienteren Lösungen, hatte Maximilian Riedel die Vision eines stärkeren Marktes im Bereich Gläser für Restaurants und nutzte die Gelegenheit für die Entwicklung einer Glasserie für Restaurants, die ein 3-Sterne-Menü nicht nur durch ein 3-Sterne-Weinerlebnis ergänzt, sondern auch spülmaschinengeeignet ist. Das Ergebnis, eine Reihe langlebigerer Gläser mit charakteristischem kürzerem Stiel, erhielt die passende Bezeichnung Riedel Restaurant. Neben Riedel Restaurant modernisierte Maximilian Riedel mit viel Einfallsreichtum auch den Auftritt von Riedel Glas in den USA durch die Entwicklung des Riedel Webstore, dem ersten Internet-Shop der Unternehmensgeschichte. Nach dem erfolgreichen Start des Webstores erweiterte Maximilian Riedel die Sichtbarkeit von Riedel Restaurant durch eine Microsite für die Restaurant- und Gastgewerbebranche. Weitere Entwicklungen im digitalen Bereich unter der Führung von Maximilian Riedel sind die Nutzung sozialer Medien, einschließlich Facebook, Instagram und Twitter. So tritt das Unternehmen durch tägliche Kommunikation, regelmäßige Wettbewerbe und Kommentare vom Geschäftsführer persönlich mit den Verbrauchern in Kontakt. Maximilian Riedels persönliche Kreativität und Neugier haben seine weiteren Erfolge inspiriert und geprägt.

2008 war ein Wendepunkt für Riedel Glas. In diesem Jahr brachten Maximilian Riedel und sein Vater Georg Riedel Swan, Paloma und Flamingo auf den Markt – Gläser, die Vögel im Flug symbolisieren. Dies waren die ersten Artikel, die aus der Zusammenarbeit zweier Generationen der Familie Riedel entstanden. Im gleichen Jahr trieb Maximilian Riedel mit dem kobraförmigen Dekanter Eve den Trend „doppeltes Dekantieren“ voran. Beim Dekantieren fließt der Wein in dieser Karaffe sowohl in deren Kurven hinein als auch aus diesen heraus. Er erhielt darauf ein Patent von der deutschen Regierung. Seit Eve ließ sich Maximilian Riedel für die Dekanter Mamba, Black Mamba und Green Mamba (2011) von seinem Geburtsjahr inspirieren, dem Jahr der Schlange. Die Gefäße stellten bei ihrer Markteinführung einen Rekord als schnellstes handelsübliches Gefäß zum Dekantieren von Wein auf – sie waren 18,5 Mal schneller als jeder andere erhältliche Dekanter. Mamba sicherte Maximilian Riedel nach dem Erfolg des O-Dekanters 2005 einen zweiten Good Design Award vom Chicago Athaeneum Museum of Architecture and Design.

2008 brachte auch für Riedels Tochterunternehmen Nachtmann Neues. Maximilian Riedel wollte die traditionelle deutsche Glasmarke durch eine Zusammenarbeit mit führenden Designschulen neu beleben. In Zusammenarbeit mit Professor Stefanie Kubanek vom Pratt Institute stellte er die Designstudenten vor die Herausforderung, Nachtmanns Ästhetik nach ihrer eigenen Vorstellung neu zu erfinden. Er begleitete die Produktentwicklung als Mentor und gab zwei Studenten die Gelegenheit, ihr Produktdesign auf den Markt zu bringen. Die Kollektionen Petals und Quartz waren erfolgreich und Maximilian Riedel hat das Programm international ausgeweitet. Zusätzlich zu seiner Führungsrolle im Geschäfts- und Designbereich bereist er Nordamerika und führt vergleichende Verkostungen mit Riedel Gläsern durch. So erreicht er jedes Jahr 20.000 Verbraucher, die die Riedel-Verkostungsseminare besuchen. Die Teilnehmer entdecken dabei, dass Form, Farbe und Größe von Gläsern tatsächlich Einfluss auf den Geschmack und den Geruch von Wein haben. Riedel ist mehrere Partnerschaften eingegangen, unter anderem mit Miele, dem Unternehmen für hochwertige Haushaltsgeräte, dessen Geschirrspüler die beste Pflege für Gläser von Riedel bieten, und Celebrity Cruises, wo die angebotenen Verkostungen bei Interessenten aus allen Teilen des Kontinents stark gefragt sind. Als Pionier in der Welt des Weins modernisiert Maximilian J. Riedel auch weiterhin die Glasbranche.002028002028

Am 1. Juli 2013 vollzog sich zum 10. Mal ein Generationenwechsel: Georg J. Riedel, hat die Geschäftsführung und Leitung der Tiroler Glashütte mit deren internationalen Tochtergesellschaften an einem Sohn Maximilian J. und damit der 11. Generation übergeben.

Maximilian Riedel: „2013 bin ich voll Optimismus und Tatendrang angetreten, um die Erfolgsgeschichte von Riedel fortzusetzen. Eine erste Bilanz zeigt, dass wir mein Unternehmensziel, die europäischen Kernmärkte zu stärken, erreicht haben. Unsere Exportquote ist weiter gestiegen. Auch auf den außereuropäischen Märkten sind unsere Produkte noch stärker präsent und wir haben zahlreiche Designpreise gewonnen, Darauf bin ich besonders stolz und diese Entwicklung zeigt mir, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“



PREISE & AUSZEICHNUNGEN

2005 · Good Design Award für das Design des „O” Thumbs Up-Dekanters, Chicago Athenaeum
2005 · Good Design Award für das Design des „O” , Chicago Athenaeum
Seit 2006 · Mitglied, Young Presidents Organization
2009 · Red Dot Design Award für das Design des Swan Dekanters
2011 · Grand Prix Table & Gift Auszeichnungen für Design, Innovation & technische Details, Mamba Dekanter, Maison & Objet, Paris
2011 · Wine Enthusiast Wine Star Special Award für Innovation über mehrere Generationen
2013 · Auszeichnung von Maximilian und Georg Riedel als Entrepreneurs of the Year von Ernst&Young
2015 · La Revue du Vin de France listet Maximilian Riedel als einzigen Glashersteller unter die 200 einflussreichsten Personen in der Welt des Weines
2015 · Aufnahme in den Industrieclub Düsseldorf
2016 · European Member im prestigeträchtigen „Comité Colbert“